
Hier die Treppe mit Schieberinne am 2024 umgebauten Bahnhof Marktoberdorf. Die Rinne ist direkt unter dem Geländer. Damit kollidieren Fahrradlenker, Körbe, Gepäcktaschen oder Kindersitze mit dem Geländer © ADFC KF-OAL JA
Barrierefreie Bahnhöfe?
Aktuell werden im Allgäu Bahnhöfe "Barrierefrei" umgebaut. Die Bahnrichtlinie Ril 81302 regelt die Zugänge zu Bahnsteigen.
Doch ist das wirklich Barrierefrei und was könnte man hier besser machen?
Marktoberdorf - Nach gut einem Jahr ohne Aufzug, konnte Anfang 2026 der neue “Hauptbahnhof” Marktoberdorf endlich als Barrierefrei eröffnet werden. Im November 2024 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Neue Bahnsteige mit 76 cm Höhe für zukünftige Regionalzüge (die aktuellen Niederflurezüge haben eine Einstiegshöhe von 55 cm und werden noch bis mind. Anfang der 2030er Jahre verkehren). Eine Unterführung zwischen Kernstadt und Gewerbegebiet entlang der Johann-Georg-Fendtstraße wurde auch als Zugang zu den beiden Außenbahnsteigen errichtet. Aber es fehlten die Aufzüge und damit die Barrierefreiheit für Menschen mit Mobilitätseinschränkung oder einfach schwerem Gepäck. Der Bayrische Rundfunk berichtete damals https://www.br.de/nachrichten/bayern/von-wegen-barrierefrei-aerger-um-marktoberdorfer-bahnhof,UVXc0FZ
Nun sind die Aufzüge da, aber ist der Bahnhof nun wirklich Barrierefrei? Eine Analyse des ADFC Kaufbeuren-Ostallgäu zeigt grundlegende Probleme auf.
Der Bahnhof in Marktoberdorf wurde gemäß der Bahnrichtlinie Ril 813 umgebaut. Darin sind Gestaltung und Zuwegung der Bahnsteige geregelt.
In der Richtlinie sind auch sogenannte Schieberinnen geregelt, die zum Schieben von Fahrrädern entlang der Treppe vorgesehen sind. Allerdings erweisen sich diese Rinnen als unpraktisch und für viele Räder ungeeignet. Die Rinne ist direkt unterm Handlauf am rechten Rand der Treppe (treppaufwärts) vorgesehen. Hat man einen Korb, Kindersitz oder Packtaschen am Fahrrad bleibt man damit am Handlauf hängen. Bei Pedelecs nutzt man gewöhnlich die sogenannte Schiebehilfe, um mit Motorunterstützung die Steigung zu bewältigen. Allerding drehen dann die Pedale mit. Da die Schieberinnen tiefer als die Kanten der Treppenstufen liegen, verhaken die Pedale an den Treppenstufen.
Die meisten Radler müssen daher den Aufzug nutzen, um durch die Unterführung von einer Seite auf die andere zu kommen. Damit konkurrieren sie mit anderen Reisenden mit Mobilitätseinschränkung, mit Kinderwagen oder schweren Koffern, die bei einem Gleiswechsel schnell durch die Unterführung kommen müssen.
Daher fordert der ADFC Kreisvorstand Johannes Auburger zusammen mit der Behindertenbeauftragten des Stadt Marktoberdorf Waltraud Joa eine andere Gestaltung der Rampen.
Anstelle der Schieberinnen empfehlen sie in die Treppen eingelassene Schieberampen (sogenannte Kinderwagenrampen). Auburger erklärt: “Die Schieberampen sind zwei parallele mit ca. 30 cm breite Rampen, gleichhoch wie die Kanten der Treppenstufen, dazwischen eine ca. 40 cm breite Treppe zum laufen. So kann man darauf Kinderwagen, Koffer oder auch Räder bequem schieben.”
Die Hauptzugangstreppen zur Unterführung wurden von der Stadt Marktoberdorf gebaut, daher gelten hier nicht die Richtlinien der Bahn. Die Stadt könnte ähnlich wie die Stadt Ingolstadt, die Treppen umgestalten, so dass die neue Bahnhofsunterführung zwischen Bahnhofstraße und Johann-Georg-Fendt-Straße noch Bürgerfreundlicher und praktikabler würde.
Aktuell laufen die Umbauten an den Bahnhöfen Kempten Hauptbahnhof und Kaufbeuren an. Dort wird auch die DB-Richtlinie Ril 813 umgesetzt. Besonders bitter, im Hauptbahnhof Kempten werden die bisherigen Rampen entfernt und durch Aufzüge ersetzt.
Deshalb hat sich der ADFC Bayern mit anderen Umwelt-, Mobiltiäts- und Sozialverbänden sowie Gewerkschaften zum Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende in Bayern zusammen geschlossen.














